Deutschland zwischen EM-Vorfreude und Angst

Stefanie Reiniger | 18 Oktober 2018

DFB-Präsident Reinhard GrindelAngesichts von immer weiter steigenden Preisen für den Stadionbesuch bleibt manchen Fußball-Fans nur die Möglichkeit, das Geld für ein Ticket im Online Casino zu gewinnen. Noch mehr als bei Spielen in der Bundesliga wird der Eintritt kosten, wenn im Jahr 2024 die Europameisterschaft in Deutschland stattfindet. Überhaupt werden die Fans im Fußball immer mehr zur Kasse gebeten. Das ist allerdings nur ein Aspekt, der einen Schatten auf die EM in sechs Jahren wirft.

Die Affäre Özil

Eineinhalb Jahre lang hatte sich der DFB darum bemüht, die Europameisterschaft 2024 ausrichten zu dürfen. Ende September stimmten dann im Schweizer Nyon die Entscheidungsträger des europäischen Verbands UEFA über das Gastgeberland für das Turnier ab. Mit großer Mehrheit entschieden sie sich gegen die Türkei und für Deutschland. Bei den Verantwortlichen des DFB löste dieses Ergebnis selbstverständlich große Freude aus. Vor allem Verbandspräsident Reinhard Grindel setzte große Hoffnungen in die Wahl, ist er doch unter den Anhängern des deutschen Fußballs eher umstritten. Vor allem sein Agieren im Zusammenhang mit der Causa Özil stieß vielen Fans übel auf. Zur Erinnerung: Mesut Özil und zwei weitere türkischstämmige Fußballer, nämlich İlkay Gündoğan und Cenk Tosun, trafen sich Mitte Mai 2018 in London mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Die entstandenen Fotos sorgten anschließend für ein großes mediales Echo in Deutschland. Den beiden Nationalspielern Özil und Gündoğan wurde vor allem vorgeworfen, vor der damals bevorstehenden Parlamentswahl in der Türkei die Werbetrommel für Erdoğan zu rühren.

Zudem kam einmal mehr die Diskussion auf, inwieweit sich die Spieler angesichts ihrer türkischen Wurzeln mit Deutschland identifizieren. Manche Kritiker forderten sogar, Özil und Gündoğan aus dem Kader für die Weltmeisterschaft 2018 zu werfen, was jedoch nicht geschah. Vor allem Özil geriet in die Schusslinie, weil er – im Gegensatz zu Gündoğan – keine öffentlichen Stellungnahmen abgab. Nachdem die deutsche Mannschaft überraschend in der WM-Vorrunde ausgeschieden war, war Özil deshalb schnell als Hauptverantwortlicher ausgemacht. Sogar Reinhard Grindel goss Öl ins Feuer, als er Özil öffentlich aufforderte, eine Erklärung zu den Erdoğan-Fotos abzugeben. Özil reagierte, indem er Ende Juli seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärte. In seinem Statement, das er bei Twitter veröffentlichte, warf er dem DFB und insbesondere Grindel offen Rassismus vor. Obwohl dieser den Vorwurf unverzüglich von sich wies, ließ seine Vergangenheit vermuten, dass Özil eventuell nicht ganz unrecht haben könnte. Denn als Grindel 2004 noch Abgeordneter im Bundestag war, sprach er sich in einer Rede deutlich gegen die doppelte Staatsbürgerschaft aus und sagte unter anderem: „Multikulti ist in Wahrheit Kuddelmuddel.“ Auch in den Jahren danach zeigte sich Grindel immer wieder als Gegner der doppelten Staatsbürgerschaft.

Alexander Gauland und Alice Weidel, die Spitzenkandidaten der AfD bei der Bundestagswahl 2017Rechtspopulisten auf Stimmenfang

In seiner Erklärung zu seinem Rücktritt sprach Özil auch an, dass er von einzelnen deutschen Fußball-Fans immer wieder rassistisch beleidigt wurde. Damit löste er eine große Debatte über den Rassismus in Deutschland aus. In der Tat ist zu beobachten, dass die Zahl der Anhänger nationalistischer Ideen im Land immer größer wird. Das zeigt sich nicht zuletzt am steigenden Zuspruch, den die AfD erfährt. Holte die Partei bei der Bundestagswahl 2013 noch 4,7 Prozent und scheiterte damit knapp am Einzug ins Parlament, so waren es 2017 schon 12,6 Prozent. In den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt erreichte die AfD bei den Landtagswahlen im Jahr 2016 jeweils mehr als 20 Prozent und wurde dadurch jeweils die zweitstärkste Partei. Die AfD vertritt teilweise extrem rechte Meinungen und setzt sich unter anderem für eine streng regulierte Asylpolitik und gegen die Vermischung verschiedener Kulturen in Deutschland ein. Damit trifft sie den Nerv der Zeit, da immer mehr Deutsche ein Problem darin sehen, wie die Bundesregierung mit der anhaltenden Flüchtlingskrise umgeht. Ihrer Meinung nach ist es ungerecht, dass Flüchtlinge vom deutschen Staat finanziell unterstützt werden, obwohl sie bislang keine Leistungen erbracht haben.

Auf der anderen Seite, so die Gegner der Flüchtlingspolitik, müssen Deutsche, die jahrelang gearbeitet und dann ihren Job verloren haben, mit dem knapp bemessenen Arbeitslosengeld II auskommen. Zudem haben sie Angst davor, dass mit dem Flüchtlingsstrom auch islamistische Gewalttäter ins Land kommen und beispielsweise Selbstmordanschläge verüben. Generell herrscht eine eher ängstliche Stimmung in Deutschland vor, wie jüngst eine Analyse der Bundeszentrale für politische Bildung zeigte. Daraus geht etwa hervor, dass viele Deutsche um ihren Wohlstand fürchten und immer mehr den Glauben an die Politik verlieren. Letzteres zeigt sich im kontinuierlichen Niedergang der großen Volksparteien CDU/CSU und SPD, die seit Jahren an Zuspruch der Wählerschaft verlieren. Denn wenn die Angst umgeht, dann fallen traditionell die nationalistischen Parolen rechtsgerichteter Parteien auf fruchtbaren Boden und bringen Menschen dazu, politisch umzuschwenken.

Das Sommermärchen als Vorbild

Angesichts dieser Probleme rückt der Fußball ein wenig in den Hintergrund. Allerdings ist es der beliebtesten Sportart der Welt immer wieder gelungen, eine Brücke zwischen den unterschiedlichen Kulturen zu schlagen. Das beste Beispiel aus deutscher Sicht ist dabei die Weltmeisterschaft 2006. Die machte ihrem Slogan „Die Welt zu Gast bei Freunden“ alle Ehre, feierten doch die Fans aller teilnehmenden Mannschaften gemeinsam auf den Straßen. Bis heute ist das Turnier als „Sommermärchen“ im kollektiven Gedächtnis verankert. Zwar hat es inzwischen ein paar Schrammen abbekommen, da der DFB im Verdacht steht, sich den Zuschlag für die WM mit Schmiergeldern gesichert zu haben. Mit Philipp Lahm hat der Verband aber einen Ex-Fußballer zum Chef-Organisator des Turniers gemacht, der schon während seiner aktiven Karriere für Fairness stand. Zudem hat der DFB bei seiner Bewerbung mit der Organisation Transparency International zusammengearbeitet, um nicht in den Verdacht zu geraten, dubiose Wege zu beschreiten. Unter diesen Umständen könnte die EM doch ein voller Erfolg für den DFB und Deutschland werden.

Quellen:


Impressum

Handy Casino Limited
13A Main Street
4500 Tortola
Virgin Islands, British

Alle Rechte vorbehalten - 2018