Facebooks gekünstelte Einsprüche

Stefanie Reiniger | 03 Mai 2018

Facebook sperrt berühmte KunstwerkeVermutlich kann jeder zustimmen, dass es ein Albtraum für Facebook sein muss, sich um die Bilder zu kümmern, die auf der Social-Media-Website veröffentlicht werden. Es gibt über eine Milliarde Menschen, die Facebook nutzen und insgesamt etwa zweihundertfünfzig Milliarden Fotos, die auf Facebook hochgeladen wurden und zu denen täglich rund 150 Millionen neue Fotos hinzukommen. Das sind 150 Millionen Fotos, die täglich hochgeladen werden und kontrolliert werden müssen.

Natürlich ist es unmöglich, jedes einzelne dieser Fotos persönlich zu überprüfen. Stattdessen verlässt sich Facebook weitgehend auf die Meldungen seiner Nutzer. Dieses System funktioniert größtenteils gut und Facebook ist dafür bekannt, dass die Reaktionszeit überraschend kurz ausfällt, wenn ein unangemessenes Bild markiert wurde.

Eine Reihe von jüngst gesperrter Fotos hat jedoch auf der ganzen Welt für Aufsehen gesorgt, da Facebook Kunstwerke, die Nacktdarstellungen enthalten, pauschal blockierte.

Die Venus in ihrer nackten PrachtDie Venus von Willendorf

Bei einem dieser Fälle geht es um die kleine Steinskulptur, die als Venus von Willendorf bekannt ist. Die Skulptur stammt aus der Steinzeit und es handelt sich in der Tat um ein nacktes, pummeliges, großbusiges Bildnis einer Frau. Die große Mehrheit der Nutzer wäre sich aber mit Sicherheit einig, dass die Darstellung weit davon entfernt ist, anstößig zu sein – tatsächlich ist sie so vage und detaillos, dass einige einen Moment brauchen, um zu erkennen, um was es sich überhaupt handelt.

Das hat Facebook jedoch nicht davon abgehalten, das Bild zu sperren. Ein Foto der Venus auf Willendorf wurde auf der Facebookseite des Naturhistorischen Museums Wien gepostet und quasi sofort gesperrt. Christian Koeberl, der Museumsdirektor, wandte sich zügig mehrfach an Facebook, doch all seine Anfragen wurden ignoriert. Christian betonte, dass sich noch kein einziger Besucher des Museums über eines der Kunstwerke beschwert hatte und dass der Übereifer von Facebook an Aggressivität grenze.

Erst nachdem die Medien mehrfach über den Vorfall berichtet hatten, schlug Facebook einen anderen Ton an und behauptete, dass das Bild versehentlich gesperrt worden sei.

Ein sehr nackter NeptunNeptun auf der Piazza Del Nettuno

Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich um eine Statue des Gottes Neptun, die auf der Piazza Del Nettuno in Italien öffentlich zu sehen ist. Der bemerkenswerte Aspekt dieses Vorfalls ist, dass die Statue öffentlich ausgestellt ist, aber auf Facebook schnell gesperrt wurde. Die Statue zeigt tatsächlich einen nackten Neptun, der seine Männlichkeit nicht versteckt. Das hochgelobte Werk von 1560 wird jedoch keineswegs als nicht jugendfrei angesehen.

Wiederum hob Facebook die Sperre schließlich auf und berief sich darauf, dass diese ein Fehler gewesen sei. Die Antwort enthielt im Speziellen die Aussage, dass Facebook sich täglich mit Millionen solcher Fälle auseinandersetzen muss und deshalb Fehler passieren können. Viele sagen jedoch, dass diese dürftige Entschuldigung zu spät kommt und Facebook dringend seine Richtlinien ändern muss.

 Die Sperrungen verstehen

Bevor man Facebook kritisiert, sollte man zunächst das System verstehen, mit dem hier gearbeitet wird. Man darf nicht außer Acht lassen, dass Facebook sich tatsächlich täglich um eine ungeheuerlichen Anzahl von Vorfällen kümmern muss. Und in den allermeisten dieser Fälle wird noch nicht einmal zur letzten Entscheidung ein echter Mensch herangezogen.

Wen ein Facebook-Nutzer ein Foto als unangemessen markiert, analysiert die Software das Foto und entscheidet, ob es gesperrt werden soll. Wenn die Software feststellt, dass mit dem Foto tatsächlich etwas nicht stimmt, wird das Bild gesperrt. Die verwendete Software ist besonders ausgefeilt, ähnlich wie jene, mit der die neusten Onlinecasinospiele arbeiten, und leistet im Allgemeinen gute Arbeit. Die Software kann jedoch häufig nicht den Unterschied zwischen beispielsweise einer Statue und einem echten Menschen erkennen.

Legt jemand Widerspruch gegen die Sperrung eines Bildes ein, sollte eigentlich ein menschlicher Mitarbeiter von Facebook das Bild überprüfen. Aber da Facebook sich täglich wieder mit Millionen solcher Anfragen beschäftigt, passiert dies in der Regel nicht so schnell, wie Facebook es seine Nutzer glauben lässt. Oder, einigen Quellen zufolge, auch überhaupt nicht.

Facebook befindet sich schlicht und ergreifend in einer unmöglichen Situation. Bei einer Milliarde Nutzern ist es nahezu unmöglich, jedem seine Wünsche zu erfüllen. Einige mögen die oben genannten Kunstwerke als unangemessen bezeichnen, während andere dies bestreiten würden. Tatsache ist, dass Facebook nicht jeden glücklich machen kann, und ein paar Fehler wie diese sind vielleicht nur ein Beweis dafür, wie sehr Facebook sich darum bemüht, die Social-Media-Plattform sauber zu halten.


Impressum

Handy Casino Limited
13A Main Street
4500 Tortola
Virgin Islands, British

Alle Rechte vorbehalten - 2018