Die Landesmedienanstalt NRW prüft „Coin Master

Stefanie Reiniger | 21 August 2019

Kinder spielen am Handy; natureaddictWer im Casino spielt, kann Unmengen an Geld gewinnen. Das ist das Bild, das in der Öffentlichkeit vorrangig von Glücksspielen herrscht. Es ist zwar richtig, dass ein Spieler nie wieder arbeiten muss, wenn er einen richtig großen Jackpot abräumt. Viele Spieler gewinnen aber nie einen nennenswerten Geldbetrag und laufen manchmal sogar Gefahr, in finanzielle Nöte zu geraten. Deshalb gehen seriöse Casinos das Thema Spielsucht sehr ernst und konsequent an. So dürfen etwa nur Personen ab 18 Jahren ihre Angebote nutzen. Ein Handyspiel, das immer beliebter wird, steht nun im Verdacht, Kinder und Jugendliche in die Welt der Glücksspiele einzuführen. 

Prominente bewerben Handyspiel

Dieter Bohlen, Daniela Katzenberger, Pietro Lombardi – es sind durchaus prominente Personen, die für das Spiel „Coin Master“ werben. Unter anderem der Einsatz der bekannten Testimonials hat dafür gesorgt, dass das Spiel in den Wochen seit seinem Erscheinen mehrere Millionen Mal heruntergeladen wurde. In den Charts des Apple App Store und Google Play Store belegt der Titel regelmäßig hohe Positionen. Das sollte eigentlich dafür sprechen, dass es sich um ein komplexes Spiel mit einem ausgefeilten Mechanismus handelt. Danach sieht es auch auf den ersten Blick aus. Startet man „Coin Master“ zum ersten Mal, wird man zunächst dazu aufgefordert, ein Dorf zu gründen. In der Welt des Spiels ist man nämlich ein Krieger, der ein möglichst großes Gebiet erobern will. Das Gründen des Dorfes sowie viele andere Aktionen kosten Münzen, die man auf mehreren Wegen erhalten kann.

Das Spielprinzip von „Coin Master“ 

Um in „Coin Master“ seinen virtuellen Kontostand zu erhöhen, muss man die Dörfer anderer Spieler überfallen. Man kann auch Münzen für echtes Geld erwerben – und an dieser Stelle wird das Spiel verdächtig. Denn die Preise für die Münzen sind teilweise astronomisch hoch. Bis zu 120 Euro können die Spieler für ein Paket von Münzen ausgeben. Das Element, das nun sogar die Landesmedienanstalt von Nordrhein-Westfalen auf den Plan gerufen hat, ist allerdings der integrierte Spielautomat. An ihm können die Spieler fünfmal pro Stunde ihr Glück versuchen. Erhalten sie am Automaten dreimal das Symbol einer Münze, können sie sich über einen warmen Münzregen freuen. Noch mehr Münzen gibt es, wenn drei gefüllte Säcke auf der Walze auftauchen. Dann gibt es noch den Hammer, der in dreifacher Ausführung Energie für den Angriff auf ein anderes Dorf verleiht. Das dreifache Schild hingegen dient der Verteidigung, wenn ein benachbarter Krieger zum Angriff bläst. Wurden die fünf stündlichen Drehs getätigt, bekommt der Spieler die Chance, neue Versuche zu erhalten – gegen echtes Geld.

Wenig Abwechslung

Wer nun noch immer damit rechnet, ein spannendes Spiel mit einer mitreißenden Handlung und unerwarteten Wendungen zu bekommen, wird bitter enttäuscht. Denn bei „Coin Master“ geht es um nichts weiter als um das Drehen des virtuellen Spielautomaten. Erhält man eine gewinnbringende Kombination, kann man sich über ein paar Münzen freuen und einen Angriff auf ein Nachbardorf starten. Hat man dagegen erfolglos gedreht, wartet man eine Stunde oder gibt Geld dafür aus, die Walze früher in Bewegung zu setzen. Und das ist schon alles, was der Titel spielerisch zu bieten hat. Es gibt weder anspruchsvolle Aufgaben noch ein Ziel, das es zu erreichen gilt. Einzig der Ausbau des eigenen Dorfes mit neuen und verbesserten Häusern und anderen Elementen soll eine Langzeitmotivation liefern, tut es jedoch nur bedingt. 

Verdächtige Werbung

Dass „Coin Master“ aktuell ins Visier der Landesmedienanstalt NRW geraten ist, hat mit dem Spielautomaten zu tun. Dieser fungiert laut der Meinung vieler Experten als Einstiegsdroge in die Welt des Glücksspiels. Offiziell kann die App von Kindern ab zwölf Jahren heruntergeladen werden, allerdings haben oft auch schon jüngere Personen die Kenntnisse und Möglichkeiten, das Spiel auf einem Handy zu installieren. Neben dem Spiel selbst schaut sich die nordrhein-westfälische Landesmedienanstalt auch die Werbung für „Coin Master“ an. Für diese wurden ausschließlich Prominente ausgewählt, die eine sehr junge Zielgruppe ansprechen. Dazu gehören neben den bereits erwähnten Fernsehpersönlichkeiten auch Influencer wie Simon Desue und Bianca Heinicke, die den YouTube-Kanal BibisBeautyPalace betreibt. Deren Inhalte werden vor allem von jüngeren Internetkonsumenten angeschaut, die dadurch erst auf „Coin Master“ aufmerksam werden.

Möglichst hohe Einnahmen

Schon oft wurde in den Medien davon berichtet, dass Kinder die Kreditkarten ihrer Eltern belastet haben, indem sie Geld in Handy- oder Videospielen gesteckt haben. Mit der Methode, ihre Werbung gezielt auf Kinder und Jugendliche auszurichten, hoffen die Entwickler von „Coin Master“ wohl auf genau diesen Effekt. Anders lässt es sich nicht erklären, dass sie ausgerechnet eine sehr junge Zielgruppe ansprechen. Denn ganz offensichtlich ist das Spiel einzig und allein auf ein Ziel ausgerichtet: so viele Einnahmen wie möglich zu generieren.

 


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