Bayerische Politiker vs. Videospiele

Stefanie Reiniger | 05 August 2019

Videospiel vs. GlücksspielFür Glücksspiele gelten besondere Regelungen. Dazu zählt, dass Online-Casinos eine Lizenz benötigen und von einem speziellen Softwarehersteller unterstützt werden müssen. Nun gehen bayerische Politiker gegen Spiele wie FIFA 20 und Overwatch vor. Grund sind die Pay2Win-Mechaniken, auch als Lootboxen bekannt.

Videospiel vs. Glücksspiel

Der Markt für Online-Spiele ist vergleichsweise jung und äußerst dynamisch. Spieleentwickler lassen sich immer wieder neue Dinge einfallen, um das Spielerlebnis zu erweitern und zu verbessern. Auf der anderen Seite steht die Politik, die diese Entwicklung oft argwöhnisch beobachtet. Es ist eine Situation, die nicht erst seit gestern bekannt ist. So gab es schon zu Seiten des Commodore 64 Diskussionen, ob Videospiele gut für die Jugend wären. Auch die gerade erst begonnene VR-Revolution dürfte noch für spannenden Gesprächsstoff sorgen. Im aktuellen Fall geht es jedoch um etwas anderes: Ab wann ist ein Videospiel dem Glücksspiel zuzurechnen?

Stein des Anstoßes sind die sogenannten Lootboxen in Spielen wie FIFA 20. Dabei handelt es sich um eine Fußballsimulation. Dabei haben die Spieler die Möglichkeit, durch Käufe ihre Chancen zu verbessern. Ein alter Hut, wie manche einwenden werden. Die Möglichkeit der „In-App-Käufe“ zählt auf Geräten wie dem iPhone längst zum Alltag. Im Fall der Lootboxen sieht es jedoch anders aus, so die Regierungsvertreter im Freistaat.

Aufregung in Bayern

Im Fall von FIFA können die Gamer Pakete mit Fußballspielern hinzukaufen. Dazu müssen sie echtes Geld gegen eine virtuelle Währung tauschen, die dann als Zahlmittel dient. Auch dies ist nicht wirklich neu im Gaming-Sektor. Der Stein des Anstoßes ist, dass das System die gekauften Spieler per Zufall auswählt. Die Spieler erfahren also erst nach dem Kauf, welche Fußballgrößen sie erworben haben. Für einige Abgeordnete von CSU und den Freien Wählern ist dies ein klares Indiz für Glücksspiel. Sie befürchten, dass die Spielmechanik süchtig machen könnte. Als Folge haben sie nun einen offiziellen Antrag gestellt. Dieser sieht vor, dass Videospiele, die solche Mechaniken beinhalten, unter den Jugendschutz fallen sollen. Wenn der Antrag durchgeht, müssen alle betroffenen Spiele eine entsprechende Kennzeichnung erhalten. Sie würden dann unter Jugendschutz stehen und dürften nur an volljährige Personen verkauft werden.

Ebenso wünschen die Politiker, dass das Jugendschutzgesetz und der Jugendmedienschutzstaatsvertrag überarbeitet werden. Dabei soll insbesondere mehr Informationsarbeit geleistet werden. Kinder und deren Eltern müssten dann umfangreicher über die Suchtgefährdung von Videospielen informiert werden. Wohlgemerkt handelt es sich dabei um keine rein bayrische Angelegenheit: Die Umsetzung soll bundesweit erfolgen, so CSU und Freie Wähler.

Algorithmen, die Sucht hervorrufen sollen?

Die Abgeordneten werfen den Herstellern von Videospielen vor, Algorithmen zu verwenden, die darauf programmiert wären, die Spieler möglichst lange an das Spiel zu binden. Einen konkreten Beleg für diese Behauptung liefern sie jedoch nicht mit. Es ist eine vage Behauptung. Die Gegner des Antrags könnten argumentieren, dass dies grundsätzlich gilt, wenn Spiele so programmiert werden, dass sie Spaß machen. Man könnte dann auch Highscores, Endgegner und Bonus-Level an den Pranger stellen. Böse gesagt müssten dann auch Brettspiele wie Monopoly oder Mensch-ärgere-Dich-nicht angeklagt werden, dass sie süchtig machen. Immerhin werden sie von Menschen aller Altersklassen mit Begeisterung stundenlang gespielt …

Die Spieleindustrie wehrt sich

Der Verband der deutschen Games-Branche (game) sieht die Dinge anders. Seiner Meinung nach sind Lootboxen weit von Glücksspiel entfernt. Der Verband vergleicht sie mit „Überraschungseiern und Panini-Sammelbildern“. Ob er sich durchsetzen kann, bleibt abzuwarten.

Deutschland steht nicht allein da

In den USA ist eine ähnliche Entwicklung bereits im Gange. Dort könnte ein Verbot von Lootboxen und Pay-2-Win bald Realität werden. Josh Hawley, seines Zeichens Senator der Republikaner, hat einen entsprechenden Gesetzesentwurf eingereicht. Allerdings ist die Definition dort weiter fortgeschritten:

Schwierigkeitsmodi sollen erlaubt bleiben. Dies gilt auch, wenn die Hersteller über In-App-Käufe höhere Schwierigkeitsgrade arbeiten. Ebenso soll der Verkauf von Outfits für die Spielfiguren sowie zusätzlichen Waffen legal bleiben. Gleiches gilt für Adens und DLCs. Im Prinzip stellt dies keinen Widerspruch zum Antrag aus Bayern dar. Allerdings ist der US-Entwurf deutlich präziser in seiner Gestaltung.

Wie stehen die Chancen in den USA?

Die Aussicht auf eine Gesetzesänderung sind sehr hoch. Dies liegt vor allem daran, dass der republikanische Vorstoß auch von den Demokraten unterstützt wird. Dies ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass die beiden Parteien ansonsten eher sehr feindselig miteinander umgehen. In der Ära Trump ist dies ein kleines Wunder. Herrscht zwischen ihnen Einigkeit, gibt es kaum mehr Hindernisse für eine Umsetzung. Dies ist in Deutschland anders: Hier müssen CSU und Freie Wähler sich den „anderen Parteien stellen“, die auch noch ein Wörtchen mitzureden haben. Dennoch gibt es auch in den USA Widerstand: Der dortige Spieleverband sieht das Gesetz „voller Fehler und Ungenauigkeiten“. Zudem würde er neben den Spielern auch 220.000 Amerikanern schaden, die derzeit in der Videospielbranche arbeiten. Hier lautet der Vorschlag, statt Verboten Aufklärungsarbeit zu leisten.

Ob und wann die betreffenden Gesetze kommen, bleibt abzuwarten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Veränderung kommen wird, ist hoch. Wie diese konkret aussehen wird, muss die Zukunft zeigen


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